Achtung, Kinder!

Ich verspürte vor kurzem den Drang nach einer Tasse Kaffee. Natürlich wollte ich diese in einem Kaffee zu mir nehmen, um für einen Moment lang das Gefühl zu haben, man wäre im Urlaub. Also verschlug es mich in die Stadt. Das Auto parkte ich im Parkhaus, bezahlte die Gebühr mit einer Niere und setzte mich ins Kaffee. Dort bestellte ich einen Latte Macchiato mit einem Schuss Karamell. Als dieser vor mir stand und ich den Geruch von Kaffee und Karamell in meiner Nase vernahm, könnte ich ggf. geweint haben.
Natürlich kann ich von meinem Platz all die Menschen beobachten, die wie Scheißfliegen durch die Stadt schwirren.
Natürlich ohne Fernglas, sowas machen ausschließlich Spanner.
Plötzlich betritt eine Gruppe junger Mütter das Kaffee. Jede von ihnen schiebt einen Kinderwagen in der Größenordnung eines Panzers vor sich her. Der Kinderwagen ist mit allem ausgestattet was man für die heutigen Babys benötigt. Smoothie Maker, W-Lan Router, Smartphone Halterung, Ipad und Schnuller, dieser ist aus Holz, wegen dem Kinderwohl und so.
Natürlich setzt sich die Gruppe Panzerführer direkt hinter mich.
Ich glaube ich ziehe solche Situationen magisch an.
Beim auf die Stühle setzen wird mein Stuhl so oft angerempelt, dass ich einen Moment lang die Sorge trage, ich könnte dadurch ungewollt schwanger werden. Ich drehe mich um und schaue einen von ihnen direkt in die Augen. Bei Hunden soll man damit deren Willen brechen können. Leider funktioniert der Trick bei jungen Müttern nicht. Sofort ernte ich ein „Ja da kannst du so gucken!“, von einer der Mütter. Gut, ich bin es auch selbst schuld. Wir reden hier nicht von Hunden sondern Leopardinnen.
Und einer Leopardin sollte man nie direkt in die Augen, wenn sie gerade ihr Junges zur Welt gebracht hat.
Die Kinder werden aus dem Kinderwagen gehoben. Dabei eine kurze Nase Babyhose ziehen. Damit geht man sicher, ob vielleicht etwas im Kind verwest.
Jetzt werden die Babys der Natur bzw. dem Kaffee übergeben. Zwecks der freien Entfaltung werden sie im quasi ausgewildert. Wahrscheinlich sollen sie lernen, was sich gehört und was nicht.

Nach dem die Kinder ausgesetzt wurden, fangen alle Mütter an wie wild über ihre erlebte Woche zu diskutieren. Völlig außer Acht was mit den Kindern ist, da kann sich das Kaffee nun drum kümmern. Die Kinder haben sich aber schon längst entschlossen, jeder im Kaffee wird terrorisiert. Als ich mich gerade wieder umdrehe und mich meinem Latte Macchiato widmen möchte, beißt mir eins der Kinder in die Wade.
Mit einem gekonnten Tritt löse ich es von meiner Wade. Erneut drehe ich mich zu dem Tisch der Mütter um. „Entschuldigen Sie, aber eins ihrer Kinder hat mich gerade gebissen.“, informiere ich sie. „Mein Gott es sind nur Kinder, waren sie schließlich auch mal sie Spießer“, fährt mich eine der Mütter an.
Für einen Moment bin ich verwirrt. „Habe ich früher auch Menschen gebissen und mag deswegen meine Steaks besonders blutig?“, frage ich mich selbst.

Ein weiteres Kind terrorisiert den Tisch vor mir. Es stiehlt der älteren Dame ein Plätzchen vom Kaffeeteller. Um mich weniger verletzbar zumachen, stecke ich mir mein Plätzchen in den Mund und schlucke es in einem herunter, zu groß die Angst, dass Sie vernehmen wie das Plätzchen zerbissen wird.
Mir wird bewusst, dass ich gerade in mitten eines Terrorausbildungscamps sitze.
Die Anführer des Terrorcamps sitzen mit ihren Kinderwagen im Kreis und warten nur darauf, dass einer der anderen Besucher etwas sagt, anschließend würden sie diesen direkt in der Luft zerreißen.

„Wo sind unsere tapferen Truppen, wenn man sie braucht?“, flüstere ich zu der Dame vor mir am Tisch. „Ja, die würden uns den Weg schon freischießen und diese Keksverbrecher vernichten.“, flüstert sie zurück. Ich schaue sie schockiert an, mit dieser Antwort hätte ich nicht gerechnet.
Ein weiteres Kind bewirft mich mit einem Löffel, den es wohl irgendwo gefunden hat und lacht dabei.
Ich zeige meinen Mittelfin… meinen Zeigefinger und sagte laut und langsam „NEIN!“ dabei schüttele ich mit dem Kopf.
„Also das ist ja wohl das letzte, wir sind eine Nein freie Runde.“, fährt mich einer der Terrorführermütter an.
„Wo der Kleine auch mit der Einstellung gezeugt“, frage ich sie.
„Das ist ja wohl das letzte, so ein richtiger Kinderhasser!“, schreit sie mich nun an.
„Kinderhasser ist zu viel gesagt, die können doch nichts für ihre Erziehung, die sie erhalten “, versuche ich zu schlichten.
„Ach wollen sie jetzt meine Erziehung kritisieren“, fragt sie mich verbittert.
„Leider muss ich mit ja antworten, wir sind hier schließlich eine nein freie Runde“, antworte ich ihr.
Auf ihrer Stirn erscheint ein großes „Error“ und es wirkt ein wenig so, als würde ihr Betriebssystem neubooten.

Die kurze Stille nutze ich aus und trinke schnell aus. Eins der Kinder hat es geschafft den Deckenventilator zu erreichen und dreht sich nun wie wild an der Decke im Kreis. Ein anderes hat die Kellnerin in Brand gesteckt. Es fühlt sich so an, als wäre ich gerade im Film „Die Gremlins“. Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn die kleinen Freigeister mit Wasser in Berührung kommen?

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