Wer ist dieser Snapchat?

Ich habe mich mit Snapchat auseinandergesetzt. Man möchte für die jüngere Generation noch attraktiv wirken, oder wie man heute sagt „lit“. Okay, habe den Satz vorher selber nochmal gelesen und jetzt habe ich etwas Panik vor meiner Midlife Crisis. Auch wegen der Tatsache, dass ich auch schon einen Porsche habe. Vielleicht kann man sich mit 30 einfrieren lassen. Würde mich dann wieder auftauen lassen, wenn es etwas gegen das Altern geben würde.
Aber das ist ein anderes Thema.

Apps wie Instagram, Youtube, Facebook und Twitter nutze ich selbst und habe sie auch soweit verstanden.
Instagram ist wie Facebook nur ohne die unnötigen Texte.
Soweit ich das richtig verstanden habe, spielt man dort allen vor, was für ein krasses Leben man lebt.  Dann folgen einem Leute die das wohl auch gerne hätten und dann ist man Influencer. Also im Grunde haben sich Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit eine eigene App gebaut und können sich jetzt 24/7 in den Mittelpunkt stellen.
Youtube ist so ähnlich wie Fernsehen. Nur das man die Werbung dort gerne schaut, weil man meistens nicht merkt das es Werbung ist.
Facebook ist wie ein Geburtstag, auf dem man niemanden kennt. Leute erzählen dir ungefragt Dinge, die dich nicht interessieren und zeigen dir bei jeder Gelegenheit Fotos aus dem Urlaub.
Twitter hingegen ist für Menschen, die eine Meinung haben, aber niemanden den sie interessiert.
Dort kann man zu jedem Thema seine Meinung äußern, ohne dass man körperlichen Schaden davonträgt. Das ist für die meisten Nutzer ein großer Pluspunkt, weil sie es von früher aus der Schule anders kennen.  

Aber bei Snapchat fühle ich mich alt, als würde ich zum sterben diese App aufrufen.
Ich kann einfach keinen Mehrwert in dieser App finden. Ich rufe die ersten Vorschläge auf, die die App mir zeigt. Angezeigt bekomme ich ein Mädchen, vielleicht 15 oder 16 Jahre alt. Die Lippen sind mit Makeup so dickt gezeichnet, dass Flüchtlinge auf diesen Lippen über das Mittelmeer schippern könnten. Die Nase wird so dünn geschminkt, dass selbst der Bewegungssensor sich nicht einschalten würde. Anschließend kommen über die Augen zwei Nike Symbole und siehe da, wir sind ready für Snapchat. Der Klamottenstiel liegt irgendwo zwischen Fitnessstudio und Zwangsprostitution. Ihr großes Talent scheint das Playback singen zu sein. Es läuft im Hintergrund ein HipHop Lied, in dem ein Mann singt, dass die Bitches ihm zu Füßen liegen und jede ihm einen bläst. Sie singt dabei mit und versucht einen erotischen Blick zu machen, der eher wirkt, also hätte da jemand leichte Darm Beschwerden. Ist das diese Emanzipation von der alle Sprechen?

Genug aus der Damen Fraktion, mal schauen was die Männer so treiben.
Gezeigt wird mir Mert. Er wünscht seinen Fans erstmal einen schönen Start in den Tag.
Soweit ja erstmal sympathisch, aber dann kommt der Bruch. Er zeigt sein Outfit des Tages und betont, dass das Outfit mehrere tausend Euro wert ist. In meinem Kopf höre ich ganz leise die Grillen. Auf dem Pullover ist ganz groß „Supreme“ geschrieben. Kannte ich persönlich nur von der Panzerknacker Bande aus Entenhausen, scheint aber jetzt wohl modern zu sein.  Es bestätigt das was Mutti schon immer sagte: „Mit Geld kann man keinen Geschmack kaufen!“ Stolz werden die Gucci Slipper präsentiert, waren auch richtig teuer betont er, aber würde sich auch lohnen. Da hat er recht, hässlicheres habe ich bisher auch noch nicht gesehen. Dazu ziert die Breitling das Handgelenk. Hat er sich gegönnt, als er irgendeinen Meilenstein an Abonnenten geknackt hat, war auch harte Arbeit sagt er. Ich wische derweil das erbrochene von meinem Mund.
Uff, hätte man das ganze Geld des Outfits in Bildung investiert, wer weiß was aus ihm geworden wäre.

Die Accounts, die ich mir noch so anschaue, scheinen alle denselben Inhalt zu vermitteln.
„Schaut her wie schön ich bin“ oder aber „Schaut her wie reich ich bin“. Nach dem ich mich den ganzen Vormittag über erbrochen habe, entschließe ich mich dann doch, die App zu löschen.
Wenn ich mir das ganze ansehe, habe ich das Gefühl auf dem Golfplatz zu stehen.
Quasi 18 Arschlöcher und ich mitten drin.

Ach übrigens, mein Outfit des Tages ist übrigens ein Anzug aus 500 € Scheinen gefüttert mit feinster chinesischer Seide, überzogen wird der Anzug von echten Blutdiamanten. Dazu trage ich einen Hut aus 999er Gold mit einer Feder, die aus der Schambehaarung Heide Klums angefertigt wurde und Schuhe aus Kristallglas aus der Kollektion „Pompös“ von Herrn Glöckler.

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